Dr. Juliana Köhler - UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum Wilhelmshaven



Team: Folgt 

Erste Googlerecherchen zeichneten das Bild einer konservativ anmutenden Frau, die leidenschaftlich, aber überlegt, gleichwohl herzlich und mit Freude in einem Clip aus „ihrem“ Haus erzählte. Ihre Artikulationen wirkten ruhig und entspannt. Im Interview selbst erlebten wir eine sehr bewusst agierende, zielgerichtete Persönlichkeit, der wir im Rückblick auf den Weg zu ihrer heutigen Position geschichtlich ein Stück begleiten durften. Wir erfuhren aus dem Leben und Wirken einer weiblichen Führungskraft, die sich selbst als eine Person anerkennt, die stringent ihr Ziel verfolgt hat. Das Bewusstsein, für das, was sie erreichen wollte, hart arbeiten zu müssen und die Erkenntnis, dass das, was ihr Interesse, gleichwohl ihr Berufswunsch sein würde. Geprägt durch den Erdkundelehrer in der Schule, entschied sie sich bereits in der 10. Klasse dafür, Geologie zu studieren. Diesen Weg ging sie beharrlich. Diese Beharrlichkeit, die sich in den einzelnen Stationen ihres Lebens als deutlich zielgerichtet ausmachen, haben wir als das wesentlichste Merkmal angesehen. Es wäre ganz unmöglich gewesen, ein anderes Merkmal als Zielgerichtetheit für unser Individualexponat zu wählen, denn im Gespräch hat sich dieses Phänomen als außerordentlich herausgestellt und schafft die eigentliche Grundlage – neben dem Interesse für das Fach Geologie – der ihren eigenen Aussagen zufolge, dem Elternhaus entstammt. Damit verbunden ist explizit ihr persönlicher Wesenszug: die Neugierde. Dass das Fach Geologie indes ein Herzenswunsch war, zeigen die Wahl der Universitäten, die sie mit Bedacht und mit Blick auf exzellente fachliche Qualitäten ausgewählt hatte und die konsequente Vorgehensweise, die über nationale wie internationale Exkursionsorte, einem Austauschprogramm in Paris und einem Volontariat zu erweiterten Fachkenntnissen und schließlich zu ihrer heutigen Position führte. 

Bereits im Diplom wusste sie, dass sie promovieren wolle und in der Entscheidung, ob der Weg in die Forschung oder in die Wirtschaft führte, war, so argumentiert sie sicher, bewusst beschritten worden. Als auffallend empfanden wir die Tatsache, dass sie insgesamt offenbar nie von ihrem Weg abgekommen ist, sondern diesen stringent verfolgt hat. Ein kleiner, kaum zu erwähnender fachlicher Minimalschlenker, der den Einstieg ins Berufsleben zeichnete, brachte direkt in die Führungsebene in einem Freilichtmuseum in den Westerwald. Der Wunsch, zurück in den Norden zu kommen und zurück in die fachliche Heimat führte sie in das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum. Klar und zielgerichtet bleibt Frau Dr. Köhler auch inhaltlich, wenn es darum geht, ihren Führungsstil zu beschreiben: Als Führungsperson weiß sie, dass sie Entscheidungen auch alleine fällen können muss, kann und will. Eine Aufgabe, die ihr leicht fällt, denn schließlich hat sie ein bestimmtes Ziel mit dem Wattenmeer Besucherzentrum: Es vorantreiben, die Besucherzahlen erhöhen, es Innen und nach außen vertreten, bestimmte Ausstellungen, Vorträge und Veranstaltungen durchführen und, ein weiteres Steckenpferd: Ihr Wissen weitervermitteln. Diese Klarheit, diese Stringenz, diese Neugier sind untrennbar miteinander verbunden und lassen sich im Merkmal der Zielgerichtetheit zusammenfassen. Wir haben uns daher ziemlich schnell und einheitlich für ein Individualexponat entschieden, welches dieses Merkmal aufgreift und in seinem Gesamtwerk zwei Perspektiven einnimmt: einmal die Sicht aus der Perspektive von Dr. Juliana Köhler selbst. Ein anderes Mal aus dem Blick desjenigen, der sie als weibliche Führungskraft kennt oder sich mit ihr als Person, vielleicht mit ihrer Biografie, auseinandersetzen möchte und sie von außen im Ganzen wahrzunehmen versucht. Verknüpft mit dieser zweiten Perspektive ist das Charakteristikum einer Vorbildgestalt zur Bewusstwerdung dafür, dass es möglich ist, sich berufliche Ziele zu setzen und das diese erreicht werden können. Zielgerichtetheit konnotiert in gewisser Weise mit dem Begriff eines Kraftaktes, vielleicht sogar mit Härte. Gleichwohl wollten wir ein warmes, weiches Gesamtwerk zeigen, welches auf traditionellem Fuß steht. Das ist darin begründet, das sich die Erzählungen unserer Interviewkandidatin deutlich durch eine - wenn auch kontrollierte - Leidenschaft ausdrückten, die unseres Erachtens, im Verlauf des Interviews immer wieder ausbrach und sich ebenso in der Fotografie ausdrückte. Zudem wollten wir ein klar umfassendes Bild mit einem ästhetischen Charakter erzeugen. Aus diesem Grund wählten wir ein Fernrohr auf einem feststehenden Stativ. Es soll die Bedeutung dessen darstellen, dass sich Dr. Juliana Köhler einen Wunsch, der zunächst in weiter Ferne lag, herangeholt hat. Einen Wunsch, der heute einen festen Platz in ihrem Leben hat, der aber noch immer in diesem Lebensprozess Weiterentwicklung erfährt. Ein Fernrohr spielte zudem in früheren Zeiten eine wesentliche Rolle in der Astronomie. Es mag vielleicht ein wenig seicht anklingen, aber der Spruch: „Sich die Sterne vom Himmel holen“ liegt in diesem Sinne nahe. 

Zudem bestimmt das Sternbild laut Wikipedia das Selbstbild des Menschen und die Astronomie umfasst, demselben Quellenverzeichnis zufolge, die Gesamtheit der Kulturgeschichte des Menschen. Die Naturwissenschaft ist ein wesentlicher Teil dieser Kulturgeschichte und die Geologie als die Wissenschaft von der Erde, spiegelt sich demzufolge im Visier des Objektivs des Fernrohrs wider. Wichtig war uns insbesondere bei dem Fernrohr diesen Hauch von Antike aufzuzeigen, um den historischen Bezug aus zwei Richtungen zu verdeutlichen. Einmal den Sozialisationsaspekt, der mit der Prägung durch das Elternhaus, der Vater war selbstständig und hat durch harte Arbeit viel erreicht, einherging. Und zum anderen den Bezug zum fachlichen Ursprung von Dr. Juliana Köhler, der in den Naturwissenschaften, insbesondere aber in der Fossilienkunde besteht. Der feste Blick auf ein Ziel, bei allen sich auftuenden Möglichkeiten, ist ein Akt von Willensstärke. Unsere Interviewkandidatin hat sich kaum um des Blickes nach rechts und links gekümmert; ihr Ziel fest im Auge gleichwohl aber das Ganze erfasst. Die Erde auf der Leinwand soll sowohl inhaltlich vom Fach Geologie erzählen, als auch das Ziel demonstrieren. Zudem war es uns wichtig aufzuzeigen, dass es sehr wohl möglich ist, ein Ziel fest im Blick zu haben und auf dem Weg umfassende Erlebnisse zu machen, die fachlich und Lebenswelt orientiert sind. Die Karte verdeutlicht die einzelnen Stationen, die für die Karriere von Frau Dr. Köhler entscheidend gewesen sind und die Studienorte ebenso darstellen wie die dazugehörigen Exkursions-, Volontariats- und Berufsstationen. Wir haben diese Stationen in einer Legende erfasst und insgesamt mit unterschiedlichen Farbpunkten verdeutlicht. Der „rote Faden“ wird von den Studienorten erfasst, denn von diesen gehen die weiteren Entscheidungen wie die Maßnahme an einem Austauschprogramm, die Entscheidung für bestimmte Exkursionsorte oder die Wahl für die Fossilienkunde, dem Spezialgebiet von Frau Dr. Köhler aus und zentrieren sich schließlich im Beruf. Die Aussage, dass es manchmal notwendig ist, für seine Ziele bereit zu sein, Grenzen zu überschreiten, ist in der Karte zu finden. 

Das symbolisiert die eigenen Grenzen und bedeutet im Kern die Bereitschaft, heimatliche Sphären zu verlassen, auch im Bewusstsein, einen eigenen Wandlungsprozess zu durchlaufen. Aus diesem Grund die Wahl für eine Staffelei als „Träger der Welt“. Sie weist eine höhere Instabilität gegenüber dem Fernrohr mit dem Stativ auf welches die Person verkörpert und eine kraftvolle Festigkeit charakterisiert. Denn Welt ist immer im Begriff, sich zu erneuern, zu verändern, zu wachsen und unterliegt in diesem Sinne einem stetigen Wandlungsprozess. Welt und Person interagieren aber miteinander und die Person macht sich Welt zu nutzen aus der eigenen Persönlichkeit heraus, aber auch für das Wachstum der eigenen Persönlichkeit. Dieses Kraft schöpfende Geschenk durch Welt, welches sich unsere Interviewkandidatin auf eigene Weise genommen hat, wird in der Arbeit am UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum, zurück gegeben. Wir haben uns bewusst an eine etwas abstrakte Weise von Weltkarte gehalten, die ebenso wie unsere Kandidatin klar und stringent ist, die neugierig machen soll und in ihrer Gesamtheit Zielgerichtetheit mit einer schlichten Weise von Wärme spürbar macht.